Christiane Eckert auf Mission in Afrika

Brief an Mutter

Liebe Mutter,

hab herzlichen Dank für deinen Brief. Ja, es ist für mich viel einfacher zu handeln als zu reden, auch wenn Du keine Angst haben musst, dass ich mir einbilde auch nur den Bruchteil von Problemen lösen zu können.

Natürlich kann ich weder genug bringen noch geben. Da heilen mich die vielen Nimmersätte ganz von allein, falls ich in Versuchung kommen sollte, großzügig zu sein.

Die Regierung hat begonnen, Mais zu verteilen. Es ist reicht halt nie.

Das Predigen muß ich dringend anfangen. Inzwischen verstehe ich so viel, dass ich weiß: Das will ich oder will ich auch nicht im Gottesdienst haben, wenn andere predigen oder „auftreten“. Das 2. Gebot wird liebend gern mißachtet. Mit „gelobt sei Jesus Christus“ versucht man hier gern ganz menschliche Wünsche göttlich zu autorisieren. Da juckt mir schon die Zunge, die Schreier mit Gottes Wort zu konfrontieren.

Mein schon in der Sprachschule vorbereitetes Seminar wird verstanden und kommt an. Nach Ostern will ich mit einer in meiner Gemeinde lebenden Pfarrfrau gemeinsam „Frauenbildung“ betreiben. Mal sehen, ob das möglich ist.

Übrigens war heute Nacht der erste richtige großflächige Regen. Möge damit die große Regenzeit begonnen haben und dem Hunger ein Ende machen. Wassertransporte haben sich damit erübrigt.

Mein wohl größtes Geschenk ist der Auszug der Pfarrfamilie aus meinem Nebengebäude. Habe heute Frau und Kind samt den letzten Gepäckstücken nach Arusha ins schöne große Pfarrhaus gebracht. Nun wird wohl alles ein bisschen länger reichen. Auch ein paar mehr von meinen Früchten im Garten (Zitronen und Eierfrüchte) werden jetzt reif.

Wenn’s nach mir geht, ist am Wochenende die Familie meines Wachmannes eingezogen, und mein Hausmädchen bekommt statt 4 m² ein 8 m²-Zimmer. Beide sind besser als jeder Ehemann. Endeschi kocht, putzt und wäscht nicht nur gewissenhaft und völlig selbständig, sondern wimmelt mir auch Besucher und Bettler ab und verwaltet die Speisekammer in meinem Interesse.

Und der Nachtwächter ist ebenso zuverlässig und ein liebenswürdiges Original, der dann ein bisschen mehr Familie leben könnte. Er arbeitet gewöhnlich 12 Stunden nächtlich ohne freien Tag. Den habe ich nun durchgesetzt.

Seine Frau ist mit dem 5 m²-Zimmer, in dem sich bisher alles abspielen mußte (1 Bett für 3), weder ausgelastet noch glücklich. Ich bin gespannt, ob sie sich Arbeit sucht. Immerhin hat mich die Familie Neujahr zum Essen eingeladen, als Endeschi im Urlaub war... So bekomme ich die Menschen als Grundstücksgenossen, die für mich sorgen, und verhindere so, dass mir andere geschickt werden, die mich nur als Goldesel wollen.

Morgen werde ich auf der Bank erfahren, ob Geld angekommen ist. 200 Euro brauche ich zur Anschaffung von Batterien für Solarenergie. Bei den tagelangen Stromabschaltungen warte ich ungeduldig auf diese Alternative, die mir Lesen und Schreiben und das Telefonieren ermöglichen wird und wahrscheinlich auch für den Kühlschrank reicht, wenn auch nicht für den Herd. Zum Laserdrucker (schwarz weiß) hat es auch schon gereicht. Mit einsetzendem Regen hoffe ich, endlich mehr zum Schreiben, Lesen und Lernen zu kommen.

Bleib mir gesund

Deine Tochter Christiane

ImpressumWebmaster – 2007-01-05