Christiane Eckert auf Mission in Afrika

Jahr des Segens

Mit einem Herz voller Dank fahre ich durch eine Landschaft wie im Mai: Blühende Bäume, blühende Wiesen, grüne Felder. Herden wohlgenährter Kühe, Ziegen und Schafe ziehen abends heimwärts, begleitet von Jungen, Kriegern und Männern. In Nähe der Häuser Kälber und Lämmer. Eine Idylle wie im Garten Eden, zu der Begegnungen mit Wildtieren ebenso wie Schlammlöcher und weggespülte Straßen gehören und für Abenteuer sorgen.

Es ist nicht Mai sondern Dezember 2006. Dieses Jahr ist ein Jahr des Segens: Zwei Regenzeiten sorgten für ausreichend Milch und Essen. Ich bin deshalb so dankbar, weil die ersten Monate des Staubes und Durstes, des Hungers und der Krankheiten in mir unvermindert lebendig gegenwärtig sind.

Es ist gut, dass ich in der bösen Zeit angekommen bin und so schnell das wirkliche Leben kennen lernte, die große Not, die die Klimaveränderung mit den ausbleibenden Regenzeiten mit sich bringt. Ich habe gelernt, dass der Hunger mit einsetzendem Regen noch längst nicht zu Ende ist sondern erst richtig beginnt.

Der Preis für Mais stieg auf das fünffache und war für viele – und am Ende auch für mich – nicht mehr bezahlbar. Ohne die Lebensmittelhilfe der Regierung hätte es wohl mehr Hungertote gegeben, und ich habe ohne jede Diät, ohne jede Anstrengung über 15 kg abgespeckt – alles essend, was mir auf den Teller kam!

Dass es mir dank des Autos und dank der Spenden von Gästen und aus Deutschland möglich war, einigen zu helfen, schlimmste Not zu lindern, hat mir die Türen geöffnet. Ich habe den Hunger nach Bildung kennen gelernt und bin froh, dass wir einige Kinder unterstützen können.

Unzählige Wünsche sind mir vorgetragen worden. Schnell habe ich Nein-Sagen gelernt, weil weiße Haut allein keinen Geldbeutel füllt. Über Gäste und Hilfe werde ich noch berichten.

Banker, Fahrer oder Pfarrer: Ich bin letzteres, auch wenn viele nur das andere in mir sehen wollen. Ich weiß nur wenig. Doch ich bin dabei, Fragen zu stellen und fange an, auch infrage zu stellen. Manche Antwort überrascht und läßt neue Wege erkennen. Welche werde ich im nächsten Jahr beschreiten? Werden es Gottes Wege sein?

ImpressumWebmaster – 2007-01-05