Christiane Eckert auf Mission in Afrika

Mühle und Zwickmühle

Von Leseriani habe ich durch einen Berichte meines Vorgängers gehört. Er schrieb, dass er einen Kirchältesten ins Krankenhaus gebracht habe – um die niederschmetternde Diagnose zu erhalten: Knochenkrebs. „Mehr als miteinander beten war nicht möglich. Aber Gebet ist nicht wenig!“

Ich treffe den Mann im Rollstuhl an. Er hat 5 Kinder und lebt von der Landwirtschaft. Sogar ein Traktor steht im Hof: Die Hinterräder sind völlig zerschlissen, die Vorderräder an den Nachbarn verborgt und alles völlig verrostet. Er braucht nur neue Räder, dann fährt er wieder – behauptet sein Besitzer. Das fällt mit schwer zu glauben.

Bevor ich fahre feiern wir Abendmahl. Zum Schluss kommen die Bitten: Nach einem speziellen Schmerzmedikament und Geld für die Reparatur der Mühle, mit der seine Frau gearbeitet hat. Wie viel etwa? 500EUR, kommt zurück. Für mich privat viel zu viel. Ich bin skeptisch. Einen Kostenvoranschlag gibt es nicht.

Beim nächsten Besuch ist Sara dabei. Spontan platzt sie raus: Das würde Sinn machen, dieser Familie zur Selbsthilfe zu helfen, und schreibt das nach hause.

Die Tante schreibt zurück:

„Gleich zuerst: Ich verstehe, dass Christiane und Dich das Elend von einigen Menschen sehr berührt und mitnimmt und dass Ihr effektiv helfen wollt. Eines ist wahr, bei der gemeinnützigen Arbeit sieht man nicht so leicht, dass es vorangeht. Schnell ist Frust statt Lust das Ergebnis, weil es keine sichtbaren Erfolge gibt. Es sind eben nur kleine Schritte möglich - die dafür aber für mehrere oder sogar alle Verbesserungen bringen. Es ist zudem eine gerechtere Angelegenheit, wenn das Wohl aller gefördert wird. Es stellt sich vor allem die schwerwiegende Frage: Wer will die Auswahl treffen, wessen Elend und Not größer ist – wer bedürftiger ist... Insgesamt könnte das Projekt unter anderem auch deshalb nach hinten losgehen, wenn sich die anderen fragen, warum gerade DIE und nicht ich? Es wäre nur normal, wenn Neid und Ärger entstehen würde unter denen, die Ihr nicht unterstützt....“

Die Tante hat unser Dilemma erfasst. Sehr schnell habe ich begriffen: Es wird nie genug sein, was ich geben kann. Es werden immer nur einzelne sein, die ich unterstützen kann – und auch das nur punktuell. Also keinem helfen, weil ich nicht allen helfen kann?

ImpressumWebmaster – 2007-01-05