Geburtstag wird in Tansania in der Regel nicht gefeiert. Das kommt mir entgegen. 51 Jahre sind wirklich kein besonderer Anlass. Doch ich habe nicht mit Sara, der deutschen Volontärin im Frauendezernat gerechnet. Sie ist einen Monat bei mir gewesen, um Frauengruppen im Bezirk kennen zu lernen. Ich bringe sie nach Arusha zurück und übernachte bei ihr im Haus, um wie üblich im Diözesanbüro vorbeizuschauen, mich um Geld, Lohnsteuer, Internet und diverse Einkäufe zu kümmern.
Jedes mal bin ich froh, wenn ich nach Mto wa Mbu zurück kehren kann. Schwungvoll befördere ich mein Gepäck ins Auto. Sara warnt: Vorsicht, ist zerbrechlich, als sie mir eine Pappkiste für Endeshi in die Hand drückt, mit der sie sich angefreundet hat. Sie hätte ihr etwas Krimskrams aussortiert. Innerlich schüttle ich den Kopf: Warum Aufsehen um etwas Ramsch? Schwer ist die Kiste jedenfalls nicht.
Heimgekommen erwartet mich ein Brief meiner Mutter und je einer aus Leipzig, Häselrieth und Berlin. Normalerweise warte ich bis zum Geburtstag mit Lesen. Diesmal halte ich es nicht aus und öffne sie schon am Vorabend. Elke hat mir zwei Broschüren geschickt, und so beginnt das Fest für mich mit Geschichten. Erst nach der letzten, nach Mitternacht, schlafe ich zufrieden ein. Grüße und Berichte aus Deutschland sind immer ein Fest für mich!
Sieben Uhr Aufstehen wie immer und Frühstück. Nichts ahnend komme ich ins Wohnzimmer, wo Endeshi über meinen offenen Mund strahlt: Blümchen, Kerze, Geburtstagstorte aus Saras "Kramkiste" und wieder Post. Die 20,000TS sind übrigens Wirtschaftsgeld für sie, und in Obst und Gemüse für mich/uns um zu setzten. Ist das Geld knapp, muss reichen, was der Garten her gibt.
Dann sammle ich alles zusammen, was ich zur Bibelwoche nach Mungere bringen soll. Evangelist Joseph aus Tanga ist der Hauptakteur. Seine Botschaft ist sehr einfach: Nur Gott und kein Bier. Er spricht sehr lebendig, ist ständig in Bewegung, begleitet von einem zweiten, der sein Kiswahili in Kimaasai mit gleichen Bewegungen wiederholt. Die 3 anderen in seiner Begleitung beginnen auf Fingerzeig zu singen, tanzen oder beten. Er begeistert die Leute, die willig seinen Aufforderungen folgen. Natürlich wollen alle Gesundheit und ewiges Leben.
Sonntag Nacht bei der Schlussveranstaltung bebt die Kirche: Tanz und Lärm wie in einer Disko- jedoch ohne Technik und Lautsprecher und zur Ehre Gottes. Es sind Glaubenslieder, die gesungen, gesummt, gegurrt, geklatscht, geschlurft, gestampft, gesprungen werden, in ohrenbetäubender Lautstärke. Die Petroleumlampe reicht nicht für Bilder, und mit Blitzlicht will ich nicht stören. Lieber halte ich mit und muss aufpassen, nicht auf die auf dem blanken Betonboden schlafenden Kinder zu treten. Diese Nacht ist für mich im geheimen Abschluss meiner Geburtstagsfeier, von der andere nichts ahnten.