Christiane Eckert auf Mission in Afrika

Projektarbeit

Nach 4 Monaten Swahilisprachkurs in Morogoro/Tanzania ist neben dem Ablegen eines mündlichen und schriftlichen Examens eine Projektarbeit abzugeben. Jedem Sprachschüler ist es freigestellt, sein eigenes Thema zu wählen und den Weg, es zu präsentieren.

Für mich steht fest: Ich schreibe über das Verhältnis von Mann und Frau- etwas anderes kann ich mir nicht vorstellen in einem Land, in dem die zweite Frage bei jeder zufälligen Begegnung die nach dem Ehemann ist.

Schwierig zu beantworten für mich, fünfzig Jahre alt und noch nie verheiratet. Lebte ich im Volk der Maasai hieße das, dass ich nie eine eigene Entscheidung hätte treffen dürfen.

Nur über einen Mann können Frauen Dinge beeinflussen, und wenn nach deutschem Empfinden die Mütter wichtiger für die Kinder sind als der Vater, äußert sich ein Maasai so über die Funktion der Eltern: „Der Unterschied zwischen den Aufgaben der Mutter und des Vaters ist, dass die Mutter nach innen tätig ist, z.B. das Haus säubert. Aufgabe des Vaters dagegen ist, auf alle und alles zu achten und für die Bedürfnisse jedes einzelnen zu sorgen.

Frauen dürfen an Familienberatungen nicht teilnehmen. Der Vater ist die Stimme der Familie und entscheidet. Im Falle seines Todes übernimmt der älteste Sohn seine Aufgaben. Eine Witwe ohne Sohn oder einflussreiche Freunde sollte besser einem neuen Mann gegeben werden. Es ist für sie zu schwer, allein für alles aufzukommen."

Shabala, Maasai und einer meiner Lehrer, hat ein Frauenprojekt begonnen. Zusammen mit Freunden sammelt er für vier Mädchen das Schulgeld und erzählt, dass er sich gegen die Beschneidung von Frauen einsetzt.

Doch sein Verhalten lässt keinen Zweifel aufkommen, dass Frauen für ihn doch nur dienstbare Geister sind, Männern nicht ebenbürtig. Ohne Zweifel: Shabala war der ideale Partner für meine Projektarbeit. Er war nicht nur in der Lage, mein Swahili zu verbessern, er war auch der ideale Leser, der mich wissen lassen würde, ob meine Gedanken klar und verständlich formuliert sind.

Ich begann mit der Paulinischen Auffassung, die der Maasai-Kultur entspricht: Die Frau schweige in der Gemeinde und ordne sich in allen Dingen ihrem Mann als ihrem Herrn unter.

Shabala strahlt. Zur Illustration benutzte ich zwei Paar Strichmännchen, und es war klar für ihn, dass die untergeordnete Figur die Frau zu sein hat und mit dem Kanga zu versehen ist.

Eifrig nickend bestätigte er: Diese Welt ist in Ordnung, und zufrieden las er die Begründung dafür: Gott schuf zuerst Adam, später erst Eva als Lebenshilfe für den Mann; und Eva ließ sich von der Schlange verführen. (1.M.2,18.22f 1.Kor.11,7-9 1.Tim.2,13 1.M.3,1-6 1.Tim.2,14 1.M.3,16 Eph.5,22f 1.Tim.2,12)

Nun folgten meine Fragen: Ist nicht gewöhnlich das zweite, dritte ... Produkt besser als das erste? Ja, nickt er, ehe er sich besinnt: In diesem Fall nein!

Dann bitte ich ihn, 1.Mose 2,24 zu lesen und zu prüfen, ob die Pfeile zwischen den Pärchen korrekt gezeichnet sind. Wer folgt wem nach Gottes Willen? Er liest einmal, zweimal, dreimal: Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhängen...

Nur auf mein bohrendes Fragen gesteht er widerwillig: Geschrieben ist, der Mann verlässt seine Eltern und geht zu seiner Frau. Er findet kein Argument dagegen, dass ich nun einen Pfeil von der Frau zum Mann ziehe: Sie bestimmt ihn- gegen jede Tradition!

Ataambatana-sie werden eins sein. Kiswahili hat eine besondere Form zu sagen, beide sind in gleicher Weise beteiligt. In diesem Fall endet das Verb auf -ana: Atambata=umfassen, atambatana=übereinstimmen, entsprechen; penda=lieben, pendana= einander lieben; fana=gedeihen, fanana=harmonieren; saidia=helfen, saidiana=einander helfen; fuata=folgen, fuatana=einander begleiten...

Nimmt er zur Kenntnis, dass ich den ersten Pfeil nicht auslösche? Mann und Frau in gleichem Rang: Das kann für ihn nicht sein!

Gott sei Dank ließ Eva sich verführen, nicht Adam- oder? Shabala will es nicht glauben, doch es steht schwarz auf weiß geschrieben: Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß. (1.Mose 3,6b)

„Nein, nicht beide sind schuldig- nur Eva! Sie aß zuerst!“ „Aber Adam bekam von Gott das Gebot!“ konterte ich. $#8222;Er wusste Bescheid. Ist es wirklich ein Unterschied, ob ich einen Fehler als erster oder zweiter mache? Gott zumindest machte keinen Unterschied und strafte jeden.

Der Mann als Herr der Frau ist Folge der Sünde, ist die Lebensordnung der gefallenen Welt.(1.Mose 3,16)

Im Paradies, im Reich Gottes, gilt anderes: Der Mann, der zu seiner Frau geht. Zwei gleichwertige Menschen, die füreinander da sind in gleicher Verantwortung.“

Shabala ist deutlich erschüttert. Dass ich nun Gottes Plan: „Es ist nicht gut, dass ein Mensch allein sei“ (1.Mose 2,18) und Paulus Überzeugung (1.Kor. 7,1+8)„Es ist gut, dass der Mensch allein sei“ verglich, macht für ihn die Sache nicht besser: Ohne Frage kommt Gott größere Autorität zu als Paulus.

Noch war ich nicht am Ende. Paulus kennt Gott gut genug, um zu schreiben: Hier ist nicht Mann oder Frau; ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. (Gal.3,28 1.Kor.11,11f) Und ebenso: Ihr Männer, liebt eure Frauen wie Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer (Eph.5,2). „Ich will gern einem Mann folgen, der sein Leben für mich gibt, mir die Füße wäscht wie Jesus den Jüngern“ (Joh.13,12-15), stelle ich klar und fordere ihn auf, meine Schlusssätze zu lesen: Es ist leicht einem Mann zu folgen, der sein Leben für mich gibt und mir die Füße wäscht. Viele Männer sind einverstanden damit, dass ihre Frauen ihnen dienen aber sie vergessen, dass auch sie ihren Frauen zu dienen haben. Jeder Mensch ist frei zu wählen, in welcher Welt er leben will: Im Reich Gottes nach der guten Schöpfungsordnung Gottes oder in der gefallenen Welt, beherrscht von Gottes Fluch.

Kopfschüttelnd, fassungslos sitzt er neben mir: „Das ist scharf, heiß, hart!“ Mein Kämpfer für die Sache der Frauen hat die Botschaft verstanden. Das heißt nicht: Auch akzeptiert! Aber vielleicht gelingt ihm das eines Tages?

ImpressumWebmaster – 2006-02-20