Christiane Eckert auf Mission in Afrika

Der erste Chorauftritt

Gottesdienst zu feiern, ist eines meiner Lebensgrundbedürfnisse. Hat es in Ostdeutschland meiner Freude keinen Abbruch getan, in kleinen Gruppen zusammen zu kommen, manchmal gar nur zu zweit oder dritt zu sein, stört mich hier in Tanzania nicht, dass ich anfangs fast nichts verstehe und ein Festgottesdienst schon mal länger als 5 Stunden dauern kann...

Mein weißes Gesicht war schnell bekannt, und der Ortspfarrer fragte neugierig nach meinem Beruf und Talenten. „Kannst Du Noten? Der Frauenchor hat in vier Wochen einen wichtigen Auftritt und muss dafür ein Lied lernen. Kannst Du es Ihnen beibringen? Ich bringe Dir das Buch.“

So saß ich im Frauenchor: Der Sprache nicht mächtig- und doch in der Lage, gemeinsam zu lernen. Das Singen nach Noten war für die Frauen ein Problem- das Tanzen zum Singen für mich.

Einfache wiegende Schritte, synchrones Bewegen der Arme, aber auch das will gekonnt sein. Ein Maasailied erfordert natürlich entsprechend andere Bewegungen: Wippen auf Zehenspitzen und eine Art Schulterkreisen, verstehe ich.

Vier Wochen später war es soweit. Etwa zwanzig Frauengruppen der Region trafen sich in Morogoro, um sich auszutauschen, einen Basar zu veranstalten und natürlich zu singen.

Solche Treffen sind wie eine Tankstelle: Wie verhalte ich mich richtig, wenn mein Mann einen Fernseher auf Kredit kauft, und kein Geld für Essen, Kleidung und Schule der Kinder da ist? Soll ich mich scheiden lassen, wenn mein Mann trinkt und uns schlägt? Was, wenn er nicht mehr nach hause kommt? Was erwartet Gott in diesen Situationen von mir? Welche Entscheidungen wird er segnen?

Jede hat Gelegenheit, eigene Probleme und Gedanken einzubringen, das eigene Verhalten zu durchdenken und gegebenenfalls neue Entscheidungen zu treffen.

Und immer wieder Lieder, gemeinsam gesungen oder vorgetragen. Perfekte Aufführungen sind dabei, aber auch Chöre, bei denen der Beifall eine Art Zuspruch ist, nicht aufzugeben, wenn ein Lied völlig daneben ging.

Endlich sind wir an der Reihe. Ich spüre die Sorge der anderen, dass ich, die einzige Weiße unter etwa 500 Frauen, den Chor blamieren könnte. Beim Einzug werde ich sorgfältig in die äußere Reihe eingebaut und von sicheren Tänzerinnen umgeben.

Der Auftritt gelang. Kein Patzer meinerseits. Sauber gesungene und getanzte Sätze. Beim Auszug ist plötzlich ein großer freier Platz um mich herum: Jeder sollte die Weiße sehen, die nicht anders ist als jede Tanzanierin. Wir sind Schwestern im Herrn.

ImpressumWebmaster – 2006-02-20