Christiane Eckert auf Mission in Afrika

Vorbereitung auf die Mission

Welche Mission? Während die Augen Computer spielender Kinder bei diesem Stichwort anfangen zu glänzen, erwacht der Argwohn humanistisch gebildeter Menschen: Mission, ist das nicht die Verdrängung ursprünglicher Kulturen durch abendländisch-christliche Traditionen, oft mit fragwürdigen Mitteln betrieben? Lutherische Mission heute ist klar definiert: Gott vertrauen – Fremden begegnen – gemeinsam für Gerechtigkeit eintreten.

Es geht darum, Anteil zu nehmen und zu geben, miteinander zu leben, voneinander zu lernen, sich gemeinsam zu engagieren, spirituellen wie materiellen Reichtum zu teilen.

Im Auftrag der lutherischen Landeskirchen Ostdeutschlands hat mich das Lutherischen Missionswerk Leipzig zur Arbeit in die lutherische Kirche der Arusha-Diözese Nordwest ins Gebiet der Maasai entsandt, mit Dienstsitz in Mto wa Mbu am Grabenbruch und Nordufer des Sees Manyara, an der Strasse zum Ngorongorokrater und der Serengeti.

Doch noch trennen mich 800 km von diesem Ziel. Zwar konnte ich bei meiner Ankunft im Flughafen Dar es Salam dem Beamten das Fax mit meiner zweijährigen Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis vorweisen und wurde von ihm bevorzugt freundlich aus dem Gedränge zum freien Diplomatenschalter gewiesen. Doch dann brauchte ich Hilfe, hätte ich mich ohne die deutsch sprechende Mitarbeiterin wohl nicht so problemlos zurecht gefunden.

Im Bus nach Morogoro lachten und kicherten meine Sitznachbarn belustigt über den Mzungu (Europäer, wörtlich übersetzt Nichtstuer), den einzigen, der zu ihnen einstieg. Doch wie kann ich mehr als dies Wort verstehen von ihren Gedanken, Lebensverhältnissen, Fragen, wenn ich ihre Sprache nicht spreche?

Deshalb steht vor der Arbeit das Erlernen von Kiswahili hier im Schulzentrum der lutherischen Kirche, 10 km vor Morogoro gelegen. Vier Monate scheinen eine lange Zeit, doch ich ahne, dass ich auch danach nur mit Mühe Gesprächen folgen kann.

Nicht dass Kiswahili besonders schwer ist. Es gibt überschaubare, klare Regeln und nicht zu viele Ausnahmen. Die Schwierigkeit besteht darin, keinen Buchstaben zu überhören. Denn nur ein einziger anderer macht aus kommen essen, aus ich gehe ich liebe, aus Fluss Mensch, aus Mensch Mücke...

In der Sicherheit des Schuldorfes lernen wir wichtiges auch außerhalb des Unterrichts und Drills, wie die Übungsstunden treffend bezeichnet werden.

Warum nur wird fast täglich das letzte Blatt unter den Bäumen weggefegt, die Erde blank geputzt, habe ich mich gewundert. Sie färbt den „schwarzen Kontinent“ hier, wo ich bin, eindeutig rotbraun. Auf alles legt sie ihren Schleier aus rostfarbenem Staub: Auf die Stämme und Blätter der Bäume, die Pflanzen, Böden, Wände, Möbel, Dächer, Fahrzeuge, Kleidung.

Warum sollte dem keine möglichst dichte Staudendecke entgegenwirken, oder wenigstens die dürren Blätter den Boden abdecken, sich zersetzend ihn verbessernd?

Als die Kinder aufgeregt eine tote Schlange auf Stöcken umhertragen, entdecke ich plötzlich, wie überschaubar die gefegten Flächen sind. Unliebsame Gäste haben kein Versteck, keine Chance, sich unbemerkt zu nähern. Das zu ändern, ist wohl doch keine so gute Idee.

Auch wenn ich momentan „nur“ zu lernen habe: Ich freu mich auf die Zeit, in der ich Mission mit Leben erfüllen kann. Sie ist in greifbare Nähe gerückt.

ImpressumWebmaster – 2006-02-20